Über uns

Der Freundeskreis Flüchtlinge lebt Willkommenskultur

Der im Januar 2015 mit rund 40 Bürgern und Bürgerinnen aus Münstertal an den Start gegangene Freundeskreis Flüchtlinge hat inzwischen rund 60 Engagierte. Noch mehr Unterstützung gibt es durch viele Münstertäler, die Haushaltsgegenstände, Fahrräder, Schul- und Sportausstattung, Kleidung und Jahresfahrkarten für den ÖPNV spenden, ebenso Hilfe im Alltag oder Freizeitunternehmungen anbieten. Auch die Kirchgemeinden, die Katholische Pfarrgemeinde St. Trudpert und die Evangelische Kirchengemeinde Staufen-Münstertal, bringen sich in der Flüchtlingsarbeit ein, zum Beispiel durch Geldspenden.

Im Münstertal leben rund 70 Menschen (Stand Januar 2016), die aus den Krisenregionen der Welt geflüchtet sind: zum Beispiel aus dem Kosovo, Syrien, Nigeria oder Kamerun. Sie wohnen mehrheitlich in Wohnungen der Kommune, vorrangig in Wohngemeinschaften, dezentral im Ober- und Untermünstertal. Einige wenige Flüchtlingsfamilien wohnen bereits in Privatunterkünften. Ihre Kinder gehen im Ort zur Schule oder noch in den Kindergarten. Ältere Jugendliche besuchen Schulen in Freiburg.

Seit November 2015 wohnen zudem 14 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMA) in Münstertal, und zwar im ehemaligen Gasthaus Matheis/Trudpertstüble. Dort werden die 14- bis 17-Jährigen rund um die Uhr durch die Wiese GmbH im Auftrag des Landratsamtes Breigau-Hochschwarzwald betreut.

Der Helferkreis kam auf Anregung des Gemeinderats von Münstertal zustande. Zu einem ersten offenen Treffen hatte im Dezember 2014 Bürgermeister Rüdiger Ahlers eingeladen.

Erweitertes Koordinationsteam seit Dezember 2015

Der Flüchtlingshelferkreis hat im Dezember 2015 das Koordinationsteam um Barbara Hirth und Stephanie Schraml erweitert, so dass jetzt u.a. die Themen „Arbeit und Ausbildung“ mit Bernd Wiesler, „Wohnen“ mit Johannes Wehr, „Gesundheit“ mit Bärbel Rockstroh, „Schule und Kindergarten“ mit Irmgard Mölder, „Öffentlichkeitsarbeit“ mit Heike Warthmann und „Vereine“ mit Wilfried Raupp besetzt sind. Zudem gibt  es ein “Finanzteam” unter Leitung von Sonja Pfefferle.

Durch den organisatorischen Anschluss des Freundeskreises an den Malteser Hilfsdienst in der Erzdiözese Freiburg kann der Freundeskreis auf Fachkompetenz in Flüchtlingsfragen zurückgreifen und erhält bei der Selbstorganisation Unterstützung, zum Beispiel durch interkulturelle Weiterbildung. Er kann Spenden für die Flüchtlingsarbeit annehmen und selbstständig verwalten.

Die Malteser engagieren sich seit jeher für Menschen in Not, insbesondere auch für Flüchtlinge. Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation haben die Malteser ein neues Referat zur Koordinierung von haupt- und ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe eingerichtet. Seit dem 1. November 2015 ist Tobias Willfang Referent Flüchtlingshilfe in der Malteser Diözesangeschäftsstelle in Freiburg und damit Ansprechpartner für den Freundeskreis.

(aktualisiert: Januar 2016)

Begegnungsfest im Münstertal – Juli 2015

Heimat ist teilbar

Die Arbeit mit Flüchtlingen sei eine „Riesenchance, Verantwortung für den Mitmenschen zu übernehmen“, sagte Bürgermeister Rüdiger Ahlers auf dem Münstertäler Begegnungsfest von Bürgern und Flüchtlingen. Er kam als Schirmherr der Veranstaltung. Zu dem Fest hatte der im Januar 2015 ins Leben gerufene Freundeskreis Flüchtlinge Münstertal eingeladen. Mit über 100 Gästen und der Mehrzahl der Flüchtlinge fand es am 11. Juli 2015 im Foyer der Münstertäler Belchenhalle statt.

Poster zum 1. Begegnungstag imMünstertal

Poster zum 1. Begegnungstag imMünstertal

29 Flüchtlinge leben inzwischen im Münstertal, die innerhalb der letzten 12-18 Monate in den Schwarzwaldort gekommen sind – zugeteilt von der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Karlsruhe (LEA). Darunter sind einige Frauen mit Kindern aus Nigeria, Togo, Gambia, Kamerun und aus Afghanistan sowie eine Familie aus dem Kosovo. „Sie sollen hier die Chance haben, eine neue Heimat zu finden“, erklären Stephanie Schraml und Barbara Hirth, die Koordinatorinnen des Freundeskreises. Heimat sei teilbar, sind die beiden überzeugt, sie sei keineswegs exklusiv. „Zu uns kommen Menschen und Schicksale. Wir möchten für sie die neue Heimat erlebbar und erfassbar machen.“ ergänzt Schraml.

Begegnungsfest_Muenstertal_Juli2015Die Mehrzahl der Flüchtlinge, die im Münstertal wohnen, haben nicht nur an dem Begegnungsfest teilgenommen: sie haben es mit vorbereitet. Kinder und Jugendliche der Flüchtlingsfamilien haben gemeinsam unter der Regie von Gudrun Brandenberger und Gisela Gassenmann Sketche einstudiert und aufgeführt, in denen typisch deutsche Eigenschaften auf die Schippe genommen wurde – wie zum Beispiel Pünktlichkeit (s. Bild, Mitte v.li. Gisela Gassenmann, Gudrun Brandenberger in Tracht mit Flüchtlingskindern).

Das Buffet bot internationale Küche. Beim entspannten Essen der besonderen Gerichte – zum Beispiel aus Afrika und dem Kosovo – ging es um den Austausch von Kulturen, um das gegenseitige Verstehen, um Mitmenschen, die in Deutschland neu sind: die ideale Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und Geschichten aus der Heimat auszutauschen.

Musik gab es auf dem Akkordeon vom Münstertäler Duo Laile Sepp und Carmelo Coco – der als gebürtiger Sizilianer schon über mehrere Jahrzehnte im Schwarzwald wohnt. Maria Widmann führte mit einer Kindergruppe verschiedene einheimische Trachtentänze auf, denen sich die jungen Flüchtlingskinder spontan begeistert anschlossen.

ahlers-trommeltAbschließend gab Günter Klaus mit einer Gruppe jugendlicher Schüler eine mitreißende Trommel-Performance. Klaus leitet regelmäßig Trommelgruppen bei den Projekttagen in der Abt-Columban-Schule und weiß, wie Rhythmus ins Blut geht: für einige der afrikanischen Frauen das Signal, in ihren eigens für das Fest getragenen heimischen Kleider zu tanzen und auch zu trommeln. Auch Bürgermeister Ahlers konnte dem Einsatz an der Trommel nicht widerstehen (s. Bild; v.li.: Rüdiger Ahlers, Günter Klaus). Damit erreichte die ausgelassene Stimmung im Saal ihren Höhepunkt und ließ kaum einen der Gäste unberührt.

IMAG0417Auf dem Fest überreichten Ute Allmendinger und Dr. Thomas Mengel (s. Bild re, 2. und 3. v.li.) als Kirchenälteste der Evangelischen Kirchgemeinde Staufen-Münstertal symbolisch eine Regio-Jahreskarte als Spende an den Freundeskreis. Die übertragbare Fahrkarte verwenden die Flüchtlinge täglich im Wechsel. Eine weitere Jahreskarte wurde von Christian Eckert, dem Vorsitzenden des Sportverein Untermünstertal, gestiftet.

Bei staatlicher Integration geht es vor allem darum, Deutsch zu lernen und eine Arbeit zu vermitteln. Doch bürgerschaftliches Engagement – wie es der Freundeskreis und viele andere Bürger im Münstertal tun – könne sich vor allem auf soziale Integration konzentrieren. „Dabei kann jeder mitmachen, unabhängig von Alter und Beruf. Jeder hat Kompetenzen, die gebraucht werden“, so Barbara Hirth. Einige der Gäste entschieden sich noch vor Ort zum Mitmachen im Freundeskreis.

Münstertal, 24.07.2015
(alle Fotos: Erich Sieber)

Weitere Fotos vom Begegnungsfest

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